Handelsstrategien

Als Handelsstrategien bezeichnet man den grundsätzlichen Plan, in einem Finanzmarkt zu handeln. Dazu gehören zum Beispiel

  • Moneymanagement – wie viel Kapital setze ich für einen Trade ein?
  • Risikomanagement – wie viel Kapital bin ich bereit bei einem Trade zu riskieren?
  • Handelsansatz – welche grundsätzliche Idee liegt meinem Handeln zugrunde?
  • Systemtrading – welche konkreten Handelssignale benutze ich?
Moneymanagement

Wie viel Kapital setze ich für einen Trade ein?

Ein Beispiel: Mein Daytrading-Depot weist ein Kapital von 40.000.- € auf, und ich interessiere mich für den Kauf der Aktie XYZ, die zur Zeit an der NASDAQ 20 $ kostet. Wie viel Stück soll ich nun von dieser Aktie kaufen? Zunächst muss man wissen, dass Broker oftmals beim Aktienhandel an der NASDAQ einen Marginsatz einräumen. Das heißt: Der Depotwert beträgt zwar 20.000.- €, aber ich kann prinzipiell für 40.000.-€ Aktien kaufen, habe also doppelte Kaufkraft.

Diese Hebelwirkung ist natürlich interessant und kann auf zwei Weisen ausgenutzt werden: Zum einen kann ich in einem Wert einen maximalen Investitionsgrad von 200% erreichen, zum anderen kann ich besser diversifizieren. Z.B. bin ich mit 50 % meines Kapitals in einen längeren Daytrade investiert und kann währenddessen trotzdem einen Scalptrade mit 100% des Kapitals eingehen. Um nun zu entscheiden, wie viel Aktien ich kaufe, muss ich mir im Klaren darüber sein, welchen Charakter der Trade hat. Falls der Trade als Scalptrade mit einem sehr kurzen Anlagezeitraum gedacht ist und ich ihn in keinem Fall in einen längeren Daytrade umwandeln werde, dann wird der Einsatz zwischen 100% und 200% des Kapital betragen, abhängig von der aktuellen Volatilität des Wertes.

Ist der Trade als Daytrade gedacht, mit einem Anlagezeitraum zwischen 15 Minuten und vielleicht 4 Stunden, werde ich weniger investieren. Grundsätzlich gilt die Richtlinie: Je kürzer der Anlagezeitraum, um so größer der Anteil der eingesetzten Kapitals.

Als Orientierungsgrößen gelten folgende Investitionsgrade: Scalptrading 100-200%, Daytrading 50%, Positionstrading 15%. Diese Größen sind in Abhängigkeit von der aktuellen Volatilität zu variieren: je höher die Volatilität, um so geringer der Investitionsgrad.

Angenommen, in unserem Beispiel der Aktie XYZ läge die Schwankungsbreite bei 1,5 $ in den letzten 15 Minuten. In diesem Fall würde ich 1000 Stück der Aktie kaufen, was einem Investitionsgrad von etwas unter 100% entspricht. Läge die Schwankungsbreite bei 0,5 $, würde ich 2000 Stück kaufen.

Vorsicht ist bei Neuemissionen (IPO‘s) angebracht: Hier ist die Volatilität am ersten Handelstag oftmals besonders hoch, so dass man mit weitaus geringeren Investitionsgraden als 100% Scalping betreiben sollte. Das Moneymanagement ist auch von den speziellen Bedingungen der Börse abhängig. So ist es an der NASDAQ üblich, in 100er Stückzahlen zu handeln. Je nach benutztem Orderweg existiert entweder keine andere Möglichkeit, oder es wäre zwar möglich, ungerade Stückzahlen zu handeln, aber die Chancen einer vollen Ausführung würden dadurch sinken. Es kommt allerdings auch vor, dass man z.B. bei einer 500 Stck. Kauforder eine Teilausführung mit 13 gekauften Aktien erhält. Das Pyramidisieren (Einsteigen in weitere Kontrakte in einer Gewinnposition) ist sicher nur etwas für Profis und vervielfacht die Chancen der Profitabilität, aber natürlich auch die Risiken. Vielmehr sollte die Anzahl der Kontrakte pro Position dynamisch dem wahren Depotwert gemäß der aufgestellten Richtlinien angepasst werden.

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Risikomanagement

Wie viel Kapital bin ich bereit bei einem Trade zu riskieren?

Risikomanagement beschäftigt sich mit der Frage: wie viel meines Kapitals bin ich bereit, bei einem Trade zu riskieren, also maximal zu verlieren? Diese Frage muss vor jedem Einstieg in einem Markt beantwortet werden. Jeder Trader kennt die Hoffnung, dass sich bei einer Position, die gegen ihn läuft, die Kursbewegung wieder dreht und er zumindest ohne Verlust oder gar mit Gewinn aus dem Trade herauskommt. Fällt der Kurs weiter, so steigt der Verlust (bei einer long-Position). Die Hoffnung wächst, zugleich aber auch die Verzweiflung. Irgendwann verkauft der Trader völlig entnervt mit großem Verlust, weil er die innere Anspannung nicht länger aushält. Öfter dreht der Kurs dann kurz danach in seine Richtung, was den Trader dann psychisch völlig erledigt. Was fehlt diesem Trader? Ganz klar, ein konsequentes Risikomanagement!

Um auch nach einem Verlust weiterhin handelsfähig zu sein, sollte man vor jedem Handel eine Stop-Loss-Marke festsetzen. Das bedeutet, bei einer long-(Kauf-)Position genau den Kurswert zu bestimmen, zu dem verkauft werden soll, wenn der gehandelte Wert fällt und bei einer short-(Verkaufs-)Position genau den Kurswert, zu dem zurückgekauft werden soll, wenn der gehandelte Wert steigt. Die Stop-Loss-Marken können, abhängig vom Markt, direkt als Order beim Broker aufgegeben oder als mentale Marke gesetzt werden.

Wo sollte nun genau diese Marke gesetzt werden? Zum einen kann man sich dabei an charttechnischen Widerständen und Unterstützungen orientieren, d.h. man setzt bei einer long-Position den Stop knapp unterhalb der Unterstützung und bei einer short-Position knapp oberhalb des Widerstandes. Zum anderen sollte man ein persönliches Risikoziel bestimmen. Ein sinnvolles Risikoziel ist z.B.: Pro Trade möchte ich nicht mehr als 2% meines Kapitals riskieren. Kommen wir auf das oben genannte Beispiel zurück. Wir haben 1000 Aktien XYZ zu 20$ gekauft. Hier sollte die Stop-Loss-Marke hier bei 19 11/16 gesetzt werden. Erreicht der gehandelte Kurs diesen Wert, sollte auch zu diesem Wert verkauft werden, um das Risiko zu begrenzen. Tatsächlich könnte vielleicht eine Ausführung zu 19 5/8 $ erreicht werden. Der Verlust betrüge also 3/8$ mal 1000 Stück = 375$ zuzüglich Kommission. Dies entspricht in etwa dem persönlichen Risikoziel von 2% pro Trade.

Beim Aktienhandel an der NASDAQ bietet der bereits mehrfach erwähnte Level II-Screen eine weitere Orientierung an. Hier sind Unterstützungen bzw. Widerstände zu finden, da das potentielle Kaufverhalten anderer Marktteilnehmer über die Angebots- und Nachfragesituation eingesehen werden kann.

Nicht nur für den einzelnen Trade sollte man ein Risikoziel festlegen, sondern auch für den Handelstag, den Handelsmonat.

Das Risikomanagement steht in engem Zusammenhang mit dem Moneymanagement. Bei einem sehr volatilen Wert sollte der Trader mit einer geringeren Investitionsrate einsteigen, kann aber dadurch die Stop-Loss-Marke weiter entfernt vom Einstiegspunkt ansetzen, ohne sein persönliches Risikoziel zu missachten. Bei einem Daytrade sollte er mit verschiedenen Kursbewegungen gegen seine Position rechnen (swings) und deshalb den Stop etwas weiter entfernt vom Einstiegspunkt als bei einem Scalptrade setzen. Durch den geringeren Investitionsgrad beim Daytrade wird das Risiko aber nicht notwendig größer durch den weiter entfernt liegenden Stop.

Ein Art der Gewinnabsicherung bietet der Trailing Stop. Das heißt, in einer Gewinnposition zieht man den Stop nach (bei einer long-Position setzt man ihn herauf, vice versa). Als Orientierung kann man wieder die Charttechnik und Level II nutzen. Dies ist eine gute Methode, um Gewinne auch tatsächlich zu realisieren.

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Newstrading | Handelstaktik

Die Veröffentlichung von Quartalszahlen, Ad-hoc-Meldungen, Aquisitionen oder Übernahmen von Unternehmen führen oftmals zu bedeutenden Kursbewegungen einzelner Aktien. Ebenso können Veröffentlichungen von Wirtschaftsdaten, Zinsentscheidungen der Zentralbanken oder auch nur Fernsehauftritte von in der Wirtschaft bedeutenden Personen ganze Märkte bewegen. Ziel des Newstrading ist es, diese durch Neuigkeiten (news) initiierten Kursbewegungen auszunützen. Man kann dies auf zweierlei Weise tun: Man antizipiert eine Nachricht (z.B. die Quartalszahlen eines Unternehmens) und steigt in einen Markt/Wert vor Veröffentlichung der Nachricht ein oder man reagiert nach der Veröffentlichung. Bei der ersten Variante kommt man aufgrund eigener sorgfältiger Analyse zu einer Einschätzung und kann dementsprechend eine Position eingehen. Die Qualität der eigenen Einschätzung wird dann natürlich bei Veröffentlichung der Nachricht offensichtlich und belohnt oder bestraft.

Weniger aufwendig in der Vorbereitung ist das Handeln einer Nachricht, nachdem sie erschienen ist. Im Prinzip kann man hier zwei Bewegungen handeln: 1. die Reaktion und 2. die Überreaktion. Liegt eine Nachricht im Bereich der von den Markteilnehmern gehegten Erwartungen, ist sie meistens „im Kurs enthalten“, sprich der Kurs wird in der Regel wenig reagieren. Je mehr eine Nachricht von den Erwartungen abweicht, desto heftiger wird die folgende Kursbewegung sein. Dies kann man ausnutzten, indem man möglichst früh in Richtung der Kursbewegung einsteigt und „die Reaktion mitnimmt“. Oder man handelt die Überreaktion: Man wartet, bis die Kursbewegung ihr kurzfristiges Maximum erreicht und die Gegenreaktion eintritt. Um den günstigsten Zeitpunkt des Handels zu bestimmen, bedient man sich technischer Indikatoren (oder/und Level II).

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Splittrading | Handelstaktik

Splittrading nutzt die Erfahrung aus, dass Aktien bei Bekanntgabe von Splits und bei kurz bevorstehenden Durchführungen von Splits einen Kursanstieg erfahren. Auch hier können wieder Reaktion und Gegenreaktion gehandelt werden. Die Bekanntgabe von Splits geschieht zumeist als Ad-Hoc-Meldung, so dass man hier nur nach Veröffentlichung der Nachricht handeln kann. Bei kurz bevorstehenden Splits ist das anders; diese Werte kann man ein paar Tage vor dem anstehenden Split beginnen beobachten. Oftmals ist eine erhöhte Volatilität zu beobachten, die man mit Momentumtrading ausnutzen kann. Die letzte Handelsstunde des Tages vor dem Split ist sehr interessant, weil viele Marktteilnehmer sich hier für ein gap-play (man hofft, dass der Wert über Nacht einen Kurssprung macht) positionieren. Dies kann zu einer kurzfristgen rasanten Ralley (Kursanstieg) vor Handelsschluss führen, an der der Splittrader partizipieren kann.

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Momentumtrading | Handelstaktik

Momentumtrading ist das eigentliche Tagesgeschäft des Daytraders. Auf diesem Handelsansatz beruht besonders das Scalptrading. Das Momentum (die Dynamik einer Kursbewegung) ist mit Hilfe von Handelsvolumen und einigen technischen Indikatoren (sowie auch hier wieder Level II) relativ gut erfaßbar. Ziel des Momentumtrading ist es, zu Beginn eines starken Momentums (einer starken dynamischen Kursbewegung) in einen Markt einzusteigen und noch vor Ende des Momentums auszusteigen. Der kritische Punkt bei diesem Handelsansatz ist der Ausstieg aus einem Markt. Man ist in einem Markt natürlich nur ein Momentumtrader neben vielen anderen, die der gleichen Idee nachgehen. D.h. es steigen viele Marktteilnehmer in einen Momentumtrade ein, wodurch die Bewegung natürlich noch einmal verstärkt wird, sozusagen eine self-fullfilling-prophecy, und wenn man einen Tick zu spät den Ausstieg angeht, gerät man in die panische Masse der Daytrader, die bei drehender Kursbewegung ihre Position glattstellen wollen. So entstehen aus kleinen Gewinnen manchmal kleine oder auch größere Verluste. Auf der anderen Seite will man natürlich auch nicht zu früh aus einem Markt aussteigen, um das Gewinnpotential möglichst auszuschöpfen.

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Systemtrading | Handelstaktik

Das Ziel beim Systemtrading ist es, jeglichen emotionalen Impuls beim Traden auszuschalten. Dies wird durch ein Handelssystem ermöglicht, das mit Kurshistorien erfolgreich, sprich profitabel gearbeitet hat. Konkret heißt das: Eine Software gibt in realtime automatisch Handelssignale zum Ein- und Ausstieg. Der Systemtrader folgt dem mechanischen System und vertraut darauf, dass in der Zukunft ähnliche Profite zu erzielen sind wie sie das System in der Vergangenheit erwirtschaftet hätte. Man kann solche Systeme kaufen oder eigene System mit der entsprechenden Software entwickeln.

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