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KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) – Formel, Bewertung & Beispiele

Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) ist eine Kennzahl zur Aktienbewertung, die den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie setzt und zeigt, wie viele Jahre es dauern würde, bis der Gewinn den Kaufpreis rechtfertigt.

Auch bekannt als: Kurs-Gewinn-Verhältnis · Price-Earnings-Ratio · P/E Ratio · KGV.
Stand: August 2026

Was ist das KGV?

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (englisch: Price-Earnings-Ratio, P/E Ratio) gehört zu den meistgenutzten Kennzahlen an der Börse. Denn es gibt an, mit dem Wievielfachen des Jahresgewinns eine Aktie aktuell gehandelt wird. Anders ausgedrückt: Die Kennzahl zeigt, wie viele Jahre ein Unternehmen bei gleichbleibendem Gewinn brauchen würde, um seinen aktuellen Börsenwert zu verdienen.

Ein Beispiel dazu: Eine Aktie kostet 100 Euro, und das Unternehmen erzielt einen Gewinn von 5 Euro je Aktie. Damit beträgt der Wert 20 (100 ÷ 5 = 20). Die Aktie wird also mit dem 20-fachen Jahresgewinn gehandelt.

Abgrenzung: Das KGV bewertet nur das Verhältnis von Kurs zu Gewinn. Für den Substanzwert eines Unternehmens ist das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) daher aussagekräftiger, bei Verlustunternehmen eignet sich stattdessen das KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis), und für Wachstum um den Gewinnzuwachs bereinigt zeigt das PEG-Ratio mehr.

KGV

KGV-Formel: So wird es berechnet

Die Berechnung ist simpel:

KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie

Oder alternativ auf Unternehmensebene:

KGV = Marktkapitalisierung ÷ Jahresüberschuss

Der Gewinn je Aktie (englisch: Earnings per Share, EPS) ergibt sich, indem der Jahresüberschuss durch die Anzahl der Aktien geteilt wird.

Rechenbeispiel

Die Beispiel AG hat 10 Millionen Aktien im Umlauf. Der Jahresüberschuss beträgt 50 Millionen Euro, die Aktie notiert bei 150 Euro.

  • Gewinn je Aktie: 50 Mio. € ÷ 10 Mio. Aktien = 5 Euro
  • KGV: 150 Euro ÷ 5 Euro = 30

Damit wird das Unternehmen mit dem 30-fachen seines Jahresgewinns bewertet.

Arten: Historisch, aktuell, geschätzt

1. Historisches KGV (Trailing P/E)

Diese Variante basiert auf dem tatsächlich erzielten Gewinn der letzten 12 Monate oder des letzten Geschäftsjahres. Der Vorteil: Sie beruht auf echten Zahlen, ohne Prognosen. Der Nachteil: Sie blickt nur zurück und zeigt nicht, wie es weitergeht.

2. Forward KGV (Forward P/E)

Hier zählt der erwartete Gewinn für das laufende oder kommende Geschäftsjahr. Der Vorteil: Sie ist zukunftsgerichtet und spiegelt Wachstumserwartungen wider. Der Nachteil: Sie beruht auf Schätzungen, die sich als falsch erweisen können.

3. Shiller-KGV (CAPE Ratio)

Diese Variante berechnet den Durchschnitt der um die Inflation bereinigten Gewinne der letzten 10 Jahre. Sie wird vor allem für Gesamtmärkte genutzt (z. B. S&P 500) und glättet dadurch konjunkturelle Schwankungen.

KGV-Interpretation: Was ist ein guter Wert ?

Die Frage „Ist ein KGV von X gut oder schlecht?“ lässt sich nicht pauschal beantworten, denn die Bewertung hängt von mehreren Faktoren ab:

Faustregeln zur Einordnung

  • Unter 10: Möglicherweise unterbewertet – oder das Unternehmen steckt in Schwierigkeiten
  • 10-15: Faire Bewertung bei moderatem Wachstum (typisch für etablierte Blue Chips)
  • 15-25: Durchschnitt für solide Qualitätsunternehmen mit Wachstumsperspektiven
  • 25-40: Wachstumsaktien mit hohen Zukunftserwartungen (Tech, Innovation)
  • über 40: Sehr hohe Bewertung – rechtfertigt sich nur bei starkem Wachstum oder in Hype-Phasen

Wichtig: Ein niedriger Wert ist nicht automatisch günstig, ein hoher nicht automatisch teuer!

Branchenvergleich ist entscheidend

Technologieunternehmen werden traditionell mit höheren KGVs gehandelt als etwa Versorger oder Banken. Deshalb kann ein Tech-Wert mit KGV 50 als fair gelten, während eine Versicherung mit KGV 15 im Branchenvergleich schon teuer sein kann.

Ein aussagekräftiger Vergleich berücksichtigt:

  • Direkte Wettbewerber in derselben Branche
  • Den historischen Durchschnittswert des Unternehmens
  • Den Branchendurchschnitt
  • Den Marktdurchschnitt (z. B. das DAX-KGV)

KGV und Wachstum: Das PEG-Ratio

Um Wachstumsunternehmen fairer zu bewerten, wird das KGV deshalb oft mit der erwarteten Wachstumsrate des Gewinns kombiniert:

PEG-Ratio = KGV ÷ Gewinnwachstumsrate (in %)

Ein Beispiel: Ein Unternehmen hat ein KGV von 30 und ein erwartetes Gewinnwachstum von 20 % pro Jahr. Damit ergibt sich PEG = 30 ÷ 20 = 1,5.

Faustregeln:

  • PEG unter 1: Möglicherweise unterbewertet
  • PEG um 1: Fair bewertet
  • PEG über 2: Tendenziell teuer

Vorteile

  • Einfach zu berechnen und zu verstehen
  • Schneller Vergleich zwischen Unternehmen und Branchen möglich
  • Weit verbreitet – Standardkennzahl für Investoren und Analysten
  • Zeigt auf einen Blick, ob eine Aktie relativ günstig oder teuer ist
  • Gut für das Screening von Aktien geeignet

Nachteile und Grenzen

  • Keine Aussage über Qualität: Ein niedriger Wert kann auf Probleme hindeuten, kein Schnäppchen sein
  • Gewinnmanipulation: Bilanzierungsregeln und einmalige Effekte verzerren den Gewinn
  • Keine Verschuldung berücksichtigt: Zwei Unternehmen mit gleichem KGV können völlig unterschiedliche Risikoprofile haben
  • Bei Verlusten nicht anwendbar: Ein negativer Wert ist bedeutungslos
  • Ignoriert Cashflow: Gewinn ≠ verfügbares Geld (besonders bei wachstumsstarken Unternehmen relevant)
  • Branchenabhängig: Ein Wert von 15 kann in einer Branche günstig, in einer anderen teuer sein

KGV in der Praxis: Beispiele aus dem DAX

Stand August 2026 (beispielhafte Werte, schwanken mit dem Kurs):

  • SAP: rund 34 – hoher Wert für Wachstums- und Technologiewert mit starker Cloud-Transformation
  • Allianz: rund 14 – typisch für die Versicherungsbranche, moderat und stabil
  • Volkswagen: rund 6-8 – niedriger Wert, reflektiert Branchenkrise und Transformationsrisiken im Automobilsektor
  • Siemens Energy: rund 60 (Trailing), auf Basis der Gewinnschätzungen für 2027 deutlich niedriger – schwankend wegen des laufenden Ergebnis-Turnarounds

Diese Beispiele zeigen: Das KGV allein sagt nichts aus, denn der Kontext ist entscheidend.

Häufige Fehler bei der Nutzung

  • Isoliert betrachten: Eine Kennzahl allein reicht nicht – sinnvoll ist die Kombination von KGV mit KBV, KUV, Eigenkapitalrendite und Verschuldung
  • Einmalige Gewinne ignorieren: Verkauf von Unternehmensteilen oder Steuereffekte verzerren den Gewinn und damit den Wert
  • Zyklische Unternehmen falsch bewerten: Auf dem Höhepunkt eines Zyklus ist der Wert niedrig (hoher Gewinn), kurz vor der Trendwende oft hoch (niedriger Gewinn)
  • Wachstum ignorieren: Ein KGV von 40 bei 50 % Gewinnwachstum kann günstiger sein als ein KGV von 10 bei schrumpfenden Gewinnen
  • Verschiedene Rechnungslegungsstandards vermischen: US GAAP vs. IFRS können zu unterschiedlichen Gewinnen führen

KGV-Fallen: Wann die Kennzahl irreführend ist

1. Verlustunternehmen und Start-ups

Viele wachstumsstarke Unternehmen schreiben jahrelang Verluste. Deshalb ist das KGV hier nicht anwendbar – besser eignet sich dann das KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis).

2. Zyklische Branchen

Bei Rohstoff-, Auto- oder Bauunternehmen schwanken die Gewinne stark mit der Konjunktur. Daher kann ein niedriger Wert am Konjunkturhoch eine Falle sein, denn der Gewinn bricht danach oft ein. Umgekehrt kann ein hoher Wert in der Krise sogar ein Kaufsignal sein.

3. Sondereffekte im Gewinn

Der Verkauf von Immobilien, Abschreibungen oder Steuernachzahlungen verzerren den Gewinn. Deshalb lohnt sich stets ein Blick auf den bereinigten Gewinn (Adjusted EPS).

Alternative Bewertungskennzahlen zum KGV

Das KGV sollte nie allein stehen. Sinnvolle Ergänzungen zur Analyse:

  • KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis): Vergleicht Aktienkurs mit Eigenkapital – gut für Banken, Immobilienwerte
  • KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis): Nützlich bei Verlustunternehmen oder umsatzstarken Growth-Werten
  • KCV (Kurs-Cashflow-Verhältnis): Aussagekräftiger, da Cashflow schwerer zu manipulieren ist
  • EV/EBITDA: Berücksichtigt Verschuldung, gut für Unternehmensvergleiche
  • Dividendenrendite: Ergänzung für einkommensorientierte Investoren

Marktstimmung am KGV ablesen

Der Durchschnittswert von Indizes wie DAX oder S&P 500 gilt als Stimmungsindikator:

  • Niedriger Marktwert (unter 15): Pessimismus, möglicherweise gute Kaufgelegenheit
  • Hoher Marktwert (über 25): Euphorie, Vorsicht vor Überbewertung
  • Historischer Durchschnitt: S&P 500 lag langfristig bei 15-17

In Niedrigzinsphasen sind niedrige Alternativrenditen der Grund, warum oft höhere Werte gerechtfertigt sind.

KGV-Strategien für Investoren

Value-Investing

Gesucht werden Aktien mit niedrigem KGV im Branchenvergleich – potenziell unterbewertete Qualitätsunternehmen (Warren-Buffett-Ansatz). Sinnvoll ist die Kombination mit fundamentaler Analyse.

Growth-Investing

Höhere Werte werden bei starkem Gewinnwachstum in Kauf genommen. Das PEG-Ratio eignet sich zur Plausibilitätsprüfung.

Dogs of the DAX-Strategie

Die 10 DAX-Aktien mit der höchsten Dividendenrendite (oft niedrige Werte) werden gekauft – eine mechanische, aber historisch erfolgreiche Strategie.

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Häufig gestellte Fragen zum KGV

Was ist ein gutes KGV für eine Aktie ?

Es gibt keinen absoluten Wert. Als grobe Orientierung gilt 10-15 als fair für etablierte Unternehmen mit moderatem Wachstum, 15-25 als Durchschnitt für solide Qualitätsunternehmen. Entscheidend ist immer der Branchenvergleich, nicht die absolute Zahl.

Kann das KGV negativ sein ?

Ja, bei einem Verlust rechnerisch schon, das Ergebnis ist aber bedeutungslos und wird in der Praxis meist als „nicht anwendbar“ ausgewiesen. Bei verlustschreibenden Unternehmen eignen sich alternative Kennzahlen wie das KUV besser.

Verwandte Begriffe

Fazit: Das KGV als Kompass, nicht als Wahrheit

Die Kennzahl ist ein nützlicher, schneller Indikator – aber niemals die ganze Geschichte. Denn ein niedriger Wert kann ein Schnäppchen sein oder eine Wertfalle, und ein hoher Wert kann eine Blase signalisieren oder berechtigtes Vertrauen in die Zukunft.

Deshalb eignet sich das KGV vor allem als Screening-Tool, um interessante Aktien zu finden. Sinnvoll ist danach die Kombination mit weiteren Faktoren: Geschäftsmodell, Wettbewerbsposition, Management, Wachstumstrends und anderen Kennzahlen. Erst das Gesamtbild ergibt eine fundierte Entscheidung.

Es zeigt, was der Markt bereit ist zu zahlen – nicht, was ein Unternehmen objektiv wert ist.

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investmententscheidung erfolgt auf eigenes Risiko.

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