Der Spread ist die Differenz zwischen dem höchsten Kaufangebot (Geldkurs/Bid) und dem niedrigsten Verkaufsangebot (Briefkurs/Ask) eines Wertpapiers – er zeigt die direkten Handelskosten beim Kauf oder Verkauf.
Was ist der Spread?
Die Geld-Brief-Spanne gehört zu den wichtigsten versteckten Kosten beim Trading und Investieren. Deshalb solltest du sie verstehen. Sie entsteht durch die Differenz zwischen zwei Preisen: dem Preis, zu dem Market Maker bereit sind, ein Wertpapier zu kaufen (Geldkurs/Bid), und dem Preis, zu dem sie es verkaufen (Briefkurs/Ask).
Beispiel: Eine Aktie hat einen Geldkurs von 99,80 Euro und einen Briefkurs von 100,00 Euro. Folglich beträgt die Differenz 0,20 Euro (20 Cent). Wenn du sofort zum Briefkurs kaufst (100,00 Euro) und sofort wieder zum Geldkurs verkaufst (99,80 Euro), verlierst du 0,20 Euro pro Aktie. Das sind deine direkten Handelskosten.

Wie funktioniert die Geld-Brief-Spanne?
Die Handelsspanne bildet sich durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage im Orderbuch. Dabei stellen Market Maker, institutionelle Händler und andere Marktteilnehmer fortlaufend Kauf- und Verkaufsorders ein. Anschließend definieren die beste Kauforder (höchster Geldkurs) und die beste Verkaufsorder (niedrigster Briefkurs) die aktuelle Differenz.
Wichtig: Diese Spanne ist nicht fix. Vielmehr schwankt sie während des Handelstags. Dabei hängt sie von Liquidität, Volatilität und Marktlage ab. In ruhigen Phasen ist sie meist enger. Jedoch weitet sie sich bei Nachrichtenschocks oder in illiquiden Phasen aus.
Spread berechnen: Formel und Beispiele
Absoluter Betrag
Differenz (absolut) = Briefkurs (Ask) − Geldkurs (Bid)
Beispiel: Ask 100,00 Euro, Bid 99,80 Euro → Differenz = 0,20 Euro
Relativer Wert (in Prozent)
Handelsspanne (%) = [(Ask − Bid) / Ask] × 100
Beispiel: (0,20 / 100,00) × 100 = 0,2 %
Angabe in Basis Points (Bps)
Bei Anleihen und Derivaten erfolgt die Angabe häufig in Basispunkten (1 Bps = 0,01 %).
Beispiel: Eine Spanne von 0,2 % entspricht folglich 20 Basispunkten.
Arten von Spreads im Überblick
1. Bid-Ask-Spread (Geld-Brief-Spanne)
Dies ist die klassische Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, wie oben beschrieben. Daher findest du sie am häufigsten im Aktien-, ETF- und Derivatehandel.
2. Credit Spread (Kredit-Aufschlag)
Hierbei handelt es sich um die Renditedifferenz zwischen einer Unternehmensanleihe und einer risikofreien Staatsanleihe gleicher Laufzeit. Dabei gilt: Je höher das Ausfallrisiko, desto größer der Credit Spread.
3. Yield Spread (Rendite-Differenz)
Diese Kennzahl zeigt die Differenz zwischen den Renditen zweier Anleihen unterschiedlicher Laufzeit oder Bonität. Folglich ist sie wichtig für die Zinskurvenanalyse.
4. Option Spread (Optionsstrategie)
Im Optionshandel bezeichnet dieser Begriff auch Kombinationsstrategien. Beispielsweise Bull Spread, Bear Spread oder Butterfly Spread. Dabei werden mehrere Optionen gleichzeitig gekauft und verkauft.
Wovon hängt die Höhe der Handelsspanne ab?
- Liquidität: Je mehr Handelsvolumen vorhanden ist, desto enger wird die Spanne. Deshalb haben Bluechip-Aktien wie Apple oder SAP meist nur wenige Cent Differenz. Hingegen können Small Caps mehrere Prozent aufweisen.
- Volatilität: Bei hoher Unsicherheit weitet sich die Spanne aus. Denn Market Maker sichern dadurch ihr Risiko ab.
- Handelszeit: Außerhalb der Haupthandelszeiten sind die Spannen meist breiter. Beispielsweise im vorbörslichen Handel.
- Börsenplatz: Große Börsen wie Xetra oder NYSE haben engere Spannen als kleinere Regionalbörsen.
- Wertpapierart: Aktien großer Unternehmen und Standard-ETFs haben enge Spannen. Hingegen können Nischen-ETFs oder illiquide Derivate breite Spannen aufweisen.
Ordertypen nutzen: So minimierst du Spread-Kosten
Mit der richtigen Orderstrategie kannst du die Kosten deutlich reduzieren. Dabei helfen dir folgende Ansätze:
- Market-Order: Hierbei kaufst du zum Briefkurs und verkaufst zum Geldkurs. Folglich zahlst du die volle Differenz. Zwar ist dies schnell, jedoch teuer bei breiten Spannen.
- Limit-Order: Dabei gibst du einen Maximal- (Kauf) oder Minimalkurs (Verkauf) vor. Wenn du geduldig innerhalb der Spanne platzierst, sparst du Kosten. Allerdings riskierst du, dass die Order nicht ausgeführt wird.
- Beispiel: Bid 99,80 Euro, Ask 100,00 Euro. Angenommen, du setzt eine Limit-Kauforder bei 99,90 Euro. Wenn die Order ausgeführt wird, zahlst du nur 10 statt 20 Cent.
Brokervergleich: Worauf solltest du achten?
Beim Brokervergleich solltest du nicht nur auf Ordergebühren schauen. Vielmehr ist auch die Qualität der Handelsspanne wichtig. Deshalb beachte folgende Punkte:
- Börsenplatz-Zugang: Broker mit Zugang zu liquiden Börsen wie Xetra bieten oft bessere Konditionen. Dies gilt besonders gegenüber intransparenten außerbörslichen Plattformen.
- Market Maker vs. ECN: Bei ECN-Brokern handelst du direkt im Orderbuch. Daher siehst du die echte Marktspanne. Hingegen können Market-Maker-Broker eigene Spannen stellen, die breiter sein können.
- CFD- und Forex-Konditionen: Bei CFD-Brokern ist die Handelsspanne oft die Haupteinnahmequelle. Deshalb vergleiche fixe vs. variable Modelle. Außerdem achte auf Weitung in volatilen Phasen.
- Versteckte Kosten: Manche Broker werben mit „0 Euro Ordergebühren“. Jedoch verdienen sie an breiten Spannen. Folglich solltest du immer das Gesamtkostenbild betrachten.
Empfohlene Broker-Checks: AvaTrade, Pepperstone, XTB
Praxis-Beispiel: So wirkt sich die Handelsspanne aus
Du möchtest 500 Aktien der XY AG kaufen. Dabei gilt:
- Geldkurs (Bid): 49,80 Euro
- Briefkurs (Ask): 50,00 Euro
- Differenz: 0,20 Euro (0,4 %)
Szenario 1: Market-Order
Kauf zum Ask (50,00 Euro): 500 × 50,00 = 25.000 Euro
Sofortiger Verkauf zum Bid (49,80 Euro): 500 × 49,80 = 24.900 Euro
Verlust durch Handelsspanne: 100 Euro
Szenario 2: Limit-Order innerhalb der Spanne
Limit-Kauforder bei 49,90 Euro (Mitte): 500 × 49,90 = 24.950 Euro
Bei Ausführung sparst du folglich 50 Euro gegenüber der Market-Order.
Vorteile und Nachteile im Überblick
Vorteile
- Transparente Kenngröße für Handelskosten und Liquidität
- Enge Spanne bedeutet liquider Markt. Daraus folgt bessere Orderausführung.
- Mit Limit-Orders steuerbar und optimierbar
- Wichtiges Kriterium beim Broker- und Börsenplatzvergleich
Nachteile
- Versteckte Kosten – werden oft unterschätzt. Insbesondere bei kleinen Trades.
- Schwankt stark je nach Marktlage. Bei Volatilität können Spannen explodieren.
- Breite Spannen bei illiquiden Werten können Trade-Strategien unrentabel machen
- Bei CFD/Forex-Brokern oft intransparent und variabel
Häufige Fehler vermeiden
- Spread ignorieren: Viele Anfänger achten nur auf Ordergebühren. Jedoch übersehen sie, dass die Differenz bei illiquiden Werten die Hauptkosten darstellt.
- Market-Orders bei breiten Spannen: In volatilen Märkten solltest du immer Limit-Orders nutzen. Dies gilt besonders bei Exoten.
- Außerbörslicher Handel ohne Vergleich: Die Spanne kann außerbörslich deutlich breiter sein. Deshalb solltest du immer Kurse vergleichen.
- Kein Blick ins Orderbuch: Das Orderbuch (Level 2) zeigt dir die tatsächliche Markttiefe. Außerdem erkennst du, ob die sichtbare Spanne repräsentativ ist.
Unterschiede bei verschiedenen Anlageklassen
Aktien
Bluechip-Aktien (DAX, S&P 500): Spread meist unter 0,1 %
Small Caps / Nebenwerte: Hingegen kann sie 0,5–2 % oder mehr betragen
ETFs
Große ETFs (beispielsweise MSCI World): Spanne oft unter 0,05 %
Nischen-ETFs (Emerging Markets, Themen-ETFs): Dagegen 0,2–0,5 % und mehr
Forex (Währungen)
Hauptwährungspaare (EUR/USD, USD/JPY): Spanne 0,5–2 Pips
Exoten (TRY/ZAR): Kann jedoch 10–50 Pips oder mehr betragen
CFDs
Die Handelsspanne ist meist die Haupteinnahmequelle des Brokers. Deshalb vergleiche fixe vs. variable Modelle.
Anleihen
Credit Spread zeigt Ausfallrisiko. Folglich gilt: höherer Wert = höheres Risiko
Fazit: Kleine Differenz, große Wirkung
Die Geld-Brief-Spanne ist eine oft unterschätzte Kostengröße im Trading. Daher ist sie zentral für deinen Erfolg. Ob du Aktien, ETFs, Forex oder Derivate handelst – diese Differenz schmälert bei jedem Trade einen Teil deiner Rendite. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Broker, dem passenden Börsenplatz und durchdachten Limit-Orders kannst du die Kosten deutlich reduzieren.
Kombiniere dieses Wissen mit Stop-Loss-Strategien und einem positiven CRV (Chance-Risiko-Verhältnis). So wird aus Kostenoptimierung ein systematischer Trading-Vorteil.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jede Trading-Entscheidung erfolgt auf eigenes Risiko.
Weiterführende Ressourcen
- Sparkasse – Ratgeber: Spread beim Aktienhandel: Bedeutung & Spartipps ↗
- Deutsche Bundesbank – Finanzstabilitätsbericht 2020 (Bid-Ask-Spreads als Liquiditätsmaß) ↗
- Investopedia – Bid-Ask erklärt ↗
- BaFin – Fachartikel „Was Neo-Broker versprechen – und halten“ (Abschnitt zu Spread & versteckten Kosten) ↗
- Deutsche Börse – Börsenlexikon: Geld-Brief-Spanne ↗
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Spread
Die Geld-Brief-Spanne ist die Differenz zwischen dem höchsten Kaufangebot (Geldkurs/Bid) und dem niedrigsten Verkaufsangebot (Briefkurs/Ask). Folglich zeigt sie die direkten Handelskosten beim Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers. Beispiel: Bid 99,80 Euro, Ask 100,00 Euro → Differenz 0,20 Euro.
Absolut: Differenz = Briefkurs (Ask) − Geldkurs (Bid)
Relativ: Spanne (%) = [(Ask − Bid) / Ask] × 100
Beispiel: (0,20 / 100,00) × 100 = 0,2 %
Die Handelsspanne entsteht durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Dabei verdienen Market Maker und andere Händler an der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Außerdem kompensiert sie deren Risiko, kontinuierlich Liquidität bereitzustellen. Folglich ist sie abhängig von Liquidität, Volatilität und Handelsvolumen.
Eine niedrige Handelsspanne ist besser, da sie geringere Handelskosten bedeutet. Deshalb finden sich enge Spannen (beispielsweise unter 0,1 %) bei liquiden Werten wie DAX-Aktien oder großen ETFs. Hingegen sind breite Spannen (über 0,5 %) typisch für illiquide Werte. Folglich steigen dort deine Transaktionskosten.
Die Geld-Brief-Spanne ist am niedrigsten während der Haupthandelszeiten. Beispielsweise 9:00–17:30 Uhr an der Frankfurter Börse. Außerdem bei hohem Handelsvolumen. Außerhalb dieser Zeiten (vorbörslich, nachbörslich) sowie bei Nachrichtenschocks weitet sie sich dagegen oft deutlich aus.
Die Handelsspanne ist eine versteckte Kostenkomponente, die bei jedem Kauf und Verkauf anfällt. Beispiel: Bei einer Spanne von 0,5 % und einem Round-Trip (Kauf + Verkauf) zahlst du effektiv 1 % Kosten. Folglich schmälert das deine Rendite erheblich. Insbesondere bei häufigem Handel oder kleinen Gewinnen.
Limit-Orders statt Market-Orders: Platziere Orders innerhalb der Spanne, um den Mittelkurs zu treffen.
Handel an liquiden Börsen: Beispielsweise Xetra statt Regionalbörse. Außerdem Haupthandelszeit statt nachbörslich.
Broker mit gutem Börsenplatz-Zugang: ECN-Broker bieten meist bessere Spannen als reine Market-Maker-Broker.
Liquidität wählen: Bluechips und Standard-ETFs statt illiquide Small Caps bevorzugen.
